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Clubhouse: Sind Sie schon eingeladen?

Die App Clubhouse wird heftig diskutiert: Hype, Eintagsfliege oder Dauerbrenner? Wir haben uns angeschaut, worum es genau geht und warum Datenschützer bereits Alarm schlagen.

Ein „elitärer“ Kreis

Clubhouse, die Social Network App und Audio-only-Plattform, gilt als exklusiv und hip. Zurzeit ist sie gratis und nur auf iPhones nutzbar, eine Android-Version ist in Arbeit. Zutritt ist ausschließlich über eine Einladung (Invite) eines Mitglieds möglich. Der Ansturm ist trotzdem beachtlich. Im Dezember 2020 verzeichnete der US-Betreiber Alpha Exploration 600.000 Nutzer.

Was geht im Clubhouse vor sich?

In sogenannten Rooms – öffentlichen oder privaten Räumen – findet der Austausch zu bestimmten Themen statt. Offene Diskussionen mit Experten, virtuelle Panels und Podcasts sind möglich.

Moderatoren leiten die Diskussion, Sprecher können aktiv am Gespräch teilnehmen und Zuhörer verfolgen das Gespräch live und können zum Sprecher werden, wenn sie das wollen. Es geht nicht um Texte, Likes, Smileys und Kommentare. Der Austausch findet verbal statt.

Nutzer legen sich ein Profil an, können Termine planen oder selbst ausrichten und anderen Nutzern folgen. Wer sich bei einem bereits stattfindenden Gespräch einbringen möchte, kann das jederzeit tun. Die Themenrange ist weit – von Management über Politik zu Seichtem.

Stars im Clubhouse

Prominente dürfen im Clubhouse nicht fehlen, um Exklusivität und Attraktivität der App zu signalisieren. So haben sich bereits Elon Musk, Jared Leto, Ashton Kutcher, Paris Hilton oder Oprah Winfrey die Ehre gegeben.

Hype, Eintagsfliege oder Dauerbrenner: Lohnt es sich für Marketer, sich mit der App auseinanderzusetzen?

Das lässt sich heute noch nicht beurteilen. Einen Hype gibt es auf jeden Fall um die Social Network App. Marketing-Experte Alexander Oswald meint in einem LinkedIn-Kommentar: „Marketer sollen sich mit neuen Themen und Kanälen beschäftigen, es ausprobieren (Early Adopters) und ihre Schlüsse ziehen – vor allem ob und wie es für ihre Zielgruppe passen kann. Die breite Masse wartet – auf Grund von noch unklaren Nutzungscases, den Vorteilen versus Zeiteinsatz – einfach noch ab und kommt dazu, wenn die erfolgreichen Cases vorliegen (early und late majority).“

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Datenschutzrechtliche Bedenken

Ein datenschutzrechtliches Problem ergibt sich aus dem Invite-System: Die Adressbücher der Nutzer, die andere Personen einladen, werden automatisch ausgelesen und durch den US-Betreiber Alpha Exploration gespeichert. Dadurch geraten Daten von Personen, die nichts mit der App zu tun haben, in fremde Hände. Zusätzlich räumt sich der Betreiber Nutzungsrechte an den hochgeladenen Kontaktdaten ein.

Weiters gibt der Anbieter an, Mitschnitte aller in den verschiedenen Rooms geführten Gespräche zu speichern, um Missbräuche zu verfolgen. Näheres ist nicht transparent. Online-Dienstleister, die sich an europäische Nutzer richten, müssten laut DSGVO aber deren Rechte auf Information, Auskunft, Widerspruch und Löschung achten. Gleichzeitig seien sie verpflichtet, die technisch-organisatorischen Maßnahmen zum Schutz persönlicher Daten zu gewährleisten.

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Kritik an der App

Mehrere Faktoren machen Kritik an der App laut: Zum Ersten ist es die Exklusivität durch das Invite-System. Nur sehr gut vernetzte Personen bekommen Zutritt, anderen bleibt er verwehrt. Zum Zweiten grenzt die App Gehörlose und Schwerhörige aus. Von Barrierefreiheit und Inklusion ist also keine Rede. Zum Dritten machen Hatespeech und Belästigungen auch vor Clubhouse nicht halt. Der Betreiber greift nicht moderierend ein und User haben bislang keine Möglichkeit, Verstöße zu melden. Allerdings soll das durch eine neue Meldefunktion und eigener Community-Guidelines verändert werden.

Wer Chancen auf eine Einladung hat und es ausprobieren möchte, findet hier die App zum Download: