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Die neuen WhatsApp-AGB: Auswirkungen, Auswege und Alternativen

Die neuen Nutzungsbedingungen und ihre weitreichenden Folgen sorgen für Aufregung. EU-Bürger sind durch die DSGVO geschützt. Bedenken bleiben.

2014 gab Mark Zuckerberg der Europäischen Union das Versprechen, keine Nutzerdaten von Facebook und WhatsApp zu verknüpfen. Ansonsten hätte die Europäische Kommission niemals grünes Licht für die Übernahme gegeben. Auch 2021 schützt die EU vor datenschutzrechtlich bedenklichen Vorhaben des US-Konzerns.

Aktualisierte Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie: Worum es geht

WhatsApp plant für seine Nutzer (im Februar 2020 waren es weltweit zwei Milliarden monatlich aktive) neue Funktionen und Services. So will der Konzern seinen Usern zukünftig App-Ankündigungen (in-app announcements) aufs Handy schicken und auf neue Features oder Updates hinweisen. Dazu ist allerdings das Einverständnis des Nutzers notwendig.

Bis 15. Mai 2021 (zuerst war der 8. Februar geplant) müssen User in die neuen Bedingungen einwilligen, sonst können sie die App nicht mehr nutzen. Für Nutzer außerhalb Europas heißt das: Sie stimmen zu, dass sämtliche erhobene Daten auch für Werbezwecke verwendet und an Facebook übermittelt werden.

Zu diesen erhobenen Daten, die an Facebook übergeben werden, gehören:

  • WhatsApp-Kontoinformationen und Telefonnummer
  • Transaktionsdaten (Der Bezahldienst WhatsApp Pay wird seit November 2020 in Indien verwendet)
  • Informationen zu Interaktionen
  • Informationen zum Mobilgerät
  • IP-Adressen
  • „Andere Informationen“, die mit Erlaubnis des Nutzers erfasst wurden

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Nutzer innerhalb der EU (sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz) sind durch die DSGVO geschützt. Hier wurden zwar auch die Nutzungsbedingungen hinsichtlich der Informationen zur Datenverarbeitung überarbeitet, eine Weitergabe von Nutzerdaten an Facebook-Unternehmen für Werbezwecke ist aber weiterhin nicht gestattet.

Es bleibt die Opt-out-Möglichkeit erhalten: Ohne Zustimmung darf Facebook also die Daten der europäischen WhatsApp-User auch künftig nicht für Online Marketing oder die Verbesserung anderer Facebook-Dienste verwenden.

Widersprüchliche Passagen in den Nutzungsbedingungen

Wie heise online, die Nachrichten-Website der Heise Medien, meldet, sieht der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar die europäische Version der WhatsApp-Datenschutzrichtlinien als keineswegs unbedenklich:

„‚Zwar wird erklärt, dass keine Informationen, die WhatsApp weitergibt, für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen Verwendung finden. Gleichzeitig erfolgt jedoch ein Hinweis darauf, dass WhatsApp mit anderen Facebook-Unternehmen Informationen teilt, u. a. um Dienste zu verbessern, bereitzustellen und zu vermarkten.‘ Daten dürfen demnach innerhalb des Konzerns unbeschränkt weitergegeben werden. In den FAQ wird dann erläutert, dass Facebook für die Bereitstellung von Analysediensten Telefonnummer, Geräteinformation und weitere Nutzungsinformationen von WhatsApp erhält. Dabei seien ausdrücklich Personen inbegriffen, die gar nicht auf Facebook sind, sondern nur WhatsApp nutzen. ‚Dass deren Daten am Ende auch bei Facebook landen, ist problematisch und bedarf einer eingehenden Untersuchung, für deren Durchführung seit Inkrafttreten der DSGVO die irische Aufsichtsbehörde zuständig ist.‘“

Mehr dazu auf: https://www.heise.de/news/Welche-Daten-fuer-Facebook-Verwirrung-bei-WhatsApps-neuer-Datenschutzerklaerung-5018361.html

Obwohl also die Datenweitergabe an Facebook-Unternehmen und Dritte für Werbezwecke nicht erlaubt ist, ist laut Nutzungsbedingungen trotzdem ein Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook vorgesehen.

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Was kann man nun tun?
Nutzer können ein Schreiben an WhatsApp verfassen, um der Verarbeitung der personenbezogenen Daten zu widersprechen. Darin muss die Unterlassung der Datenweitergabe argumentiert werden (!).

Mehr dazu auf: https://faq.whatsapp.com/general/security-and-privacy/objecting-to-the-processing-of-your-personal-data

Es muss nicht immer WhatsApp sein

Hier stellen wir Ihnen alternative Messenger für Android und iOS vor:

  • Signal

Signal gilt als einer der sichersten Messenger der Welt – selbst Edward Snowden verwendet ihn. Nachrichten zerstören sich mit nur einem Klick selbst. Die komplette App mitsamt Protokoll ist Open Source. Kontakte werden anonymisiert mit dem Server synchronisiert, Metadaten werden kaum gespeichert, verschlüsseltes Telefonieren ist möglich.

  • Telegram

Telegram bietet in etwa die gleichen Funktionen wie WhatsApp. Man kann den Dienst problemlos auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen. Er ist nicht komplett Open Source, Ende-zu-Ende verschlüsselte private Chats sind möglich und es gibt einen Selbstzerstörungsmodus für Nachrichten und Medieninhalte.

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  • Threema

Threema wurde in der Schweiz entwickelt, kostet rund 4 Euro und ist komplett quelloffen. Ende-zu-Ende Verschlüsselung ist möglich, Daten werden nach der Übertragung vom Server gelöscht, Kontakte aus dem Adressbuch werden anonymisiert an den Server geschickt.

  • Wire

Wire wurde 2014 in der Schweiz gegründet. Metadaten werden anonymisiert gespeichert, Gruppenanrufe sind möglich, Drittanbieter-Softwares wie YouTube können integriert werden. Ende-zu-Ende Verschlüsselung von Signal.